Völli bleibt! — Flächenfraß stoppen!



Der Völli ist noch nicht gerettet!
Nur ca. 17 km von der Hamburger Innenstadt entfernt, liegt im Süden der Vollhöfner Wald. In knapp 60 Jahren konnte sich auf einem ehemaligen Spülfeld ein unberührtes Naturidyll entwickeln hat - ganz ohne den Eingriff des Menschen. Auf dem rund 45 Hektar großen Gebiet haben viele seltene Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum gefunden. Doch dieser Pionierwald ist bedroht. Das Gelände des Waldes gehört zum Hafenerweiterungsgebiet und wird nach dem Hafenentwicklungsplan von 2012 für Logistikhallen vorgehalten. Dafür sollten die ca. 30.000 Bäume gefällt werden. Seit 2012 sind die Umsatzzahlen im Hafen deutlich gesunken und die Dringlichkeit der Klimakrise hat deutlich zugenommen. Daher fordert die Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald den Hamburger Senat und die HPA (Hamburg Port Authority) auf, die Pläne zur Abholzung des Waldes endgültig zu stoppen und den Wald dauerhaft unter Schutz zu stellen. Nachdem im Herbst 2019 Aktivits*innen sich mit einem Baumhaus medienwirksam für den Erhalt des Waldes einsetzten, wurde das Areal für die Öffentlichkeit gesperrt. Seit August ist der Wald wieder zugänglich. Im Juni 2020 einigten sich SPD und Grüne im Koalitionsvertrag darauf, dass nicht mehr der Vollhöfner Wald für die Hafennutzung in Anspruch genommen werden soll, stattdessen aber andere, bisher unberührte Naturflächen weichen sollen, zum Beispiel in Altenwerder. Erst wenn diese erschlossen wären, würde der Wald unter Naturschutz gestellt. Diese Inanspruchnahme von Naturflächen für industrielle Zwecke hat im Süderelberaum anscheinend Tradition.
Das nehmen wir so nicht mehr hin!

Ihr wollt etwas tun?

1.) Dann unterschreibt die Protestmail an den Ersten Bürgermeister auf www.voellibleibt.de.
2.) Tragt Euch in den Newsletter ein und schaut auch bei Facebook, Twitter oder Telegram vorbei um über alle "Völli bleibt" Aktionen informiert zu sein.
3.) Ihr möchtet uns finanziell unterstützen und damit noch mehr Aktionen möglich machen? Informationen zu unserem Spendenkonto findet ihr hier.


Treffen Sonntag den 25.10.2020

Noch im Frühjahr wurde viel diskutiert, ob die aktuelle COVID 19 Pandemie zu einem Paradigmenwechsel in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft führen würde. Von dauerhaften, radikalen Veränderungen war die Rede. Doch das politische und wirtschaftliche Bestreben, nach der Krise ohne große Änderungen schnell wieder zum vorherigen „normalen“ Zustand zurückzukehren, ist stark.

Nach einem halben Jahr mit Pandemie können wir feststellen, dass der „pandemische Weckruf“ an Intensität verloren hat. Es gibt kleine Veränderungen, doch die große Reichweite bleibt bisher aus. Bei Entscheidungen über wirtschaftliche Hilfen und Infrastrukturmaßnahmen erhalten soziale und ökologische Kriterien immer noch zu wenig Gewicht. Mittlerweile gibt es deutschlandweit zahlreiche und starke gesellschaftliche Akteur*innen, die mit unterschiedlichsten Mitteln und Strategien eben dafür eintreten. Und trotzdem werden von Flensburg über Berlin bis nach Garzweiler und Dannenrod Wälder abgeholzt und Moore trockengelegt, damit mehr Kohle abgebaut, neue Autobahnen und Fabriken entstehen können. Die Pläne sind oft Jahrzehnte alt. Neue Umstände und Überlegungen werden nicht berücksichtigt. Das ist kein Paradigmenwechsel, sondern reines „Weiter So“!

Am kommenden Wochenende jährt sich die Räumung des Baumhauses im Vollhöfner Wald.
Für die Räumung von Pappelapapp hat der der Hamburger Senat weder Aufwand noch Kosten gescheut. Bis jetzt hat der Vollhöfner Wald keinen geschützten Status.
Es ist auch nicht klar, was der Senat für den Wald plant oder ob überhaupt über nächste Schritte nachgedacht wird. Auch, ob tatsächlich die Natur in Altenwerder anstelle des Vollhöfner Walds zerstört werden soll, ist nicht geklärt.
Fragt doch mal nach, bei Eurem Bezirkspolitiker, beim Hafenpolitischen Sprecher Eurer favorisierten Partei, direkt beim Ersten oder der Zweiten Bürgermeister*in.

Am Sonntag treffen wir uns unter Berücksichtigung der Corona-Vorgaben am Wald. Es gibt Raum für Austausch, Unterhaltung und Kinderspaß.


Baumhaus vor der Räumung Räumung am 24.10.2019 Räumung am 24.10.2019
Räumung am 24.10.2019 Räumung am 24.10.2019 Räumung am 27.10.2019


Danni bleibt!

Für die Fertigstellung der A49, eine zweite Verbindung zwischen Kassel und Gießen, soll mitten durch den Dannenröder Forst (einem ca. 300 Jahre alten Mischwald) eine ca. 70 ha große Schneise geschlagen werden, die den Wald teilt. Um dies zu verhindern, haben Aktivist*innen Baumhäuser entlang der geplanten Autobahnstrecke errichtet. Im nahegelegenen Herrenwald, einem europäischen Naturschutzgebiet, wurden am 2.10.2020 die Baumhäuser geräumt und die Rodungen direkt begonnen. Trotzdem versuchen Aktivist*innen dort weiterhin die Rodungsarbeiten aufzuhalten. Der Dannenröder Forst kann aktuell noch geschützt werden.

Die Planung der A49 reicht zurück in die 60 er Jahre und ist seit dem mehrmals verworfen und wieder aufgenommen worden. Die jetzige Planung führt die Autobahn durch die weitgehend unberührte Natur des 250 Jahre alten Dannenröder Forst und ein Trinkwasserschutzgebiet. Am 23. Juni 2020 hat das Bundesverwaltungsgericht zwar dem BUND Recht gegeben, dass der Planfeststellungsbeschluss 2012 die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) missachtet. Allerdings hat das Gericht dennoch die Klage des Naturschutzverbandes gegen den Weiterbau der Autobahn abgewiesen. „Das deutsche Wasserrecht sei flexibel genug“ zitiert eine Aktivistin die Begründung des Gerichtes.

Da ist es eine berechtigte Frage, ob die Mobilität der Zukunft in weiteren Autobahnen und zunehmendem Straßenverkehr liegt. Oder ob vielmehr – auch vor dem Hintergrund der Klimakrise und des Artensterbens – eine grundlegende Neuausrichtung der Verkehrspolitik notwendig ist.
Im Falle der A49 gibt es bereits alternative Konzepte zur Entlastung der vom Durchgangsverkehr stark beeinträchtigten Ortschaften. Diese sind im „Dannenröder Appell“ zusammengefasst.

Dem Klima nützen keine bloßen Bekenntnisse und Zielsetzungen – vielmehr müssen wirksame Maßnahmen umgesetzt werden. Eine zukunftsgerechte Verkehrspolitik erfordert ein grundlegendes Umdenken, bei dem ökologische und soziale Aspekte ausreichend berücksichtigt und alle Beteiligten nicht nur angehört sondern in die Lösungsfindung einbezogen werden!

Weitere Informationen rund um den Dannenröder Forst findet Ihr unter:
Mahnwache-dannenröderforst.de
waldstattasphalt.blackblogs.org


Außerdem gibt es diese vier Petitionen:
von Greenpeace
von Campact
vom BUND
auf weACT

Danni bleibt! Danni bleibt! Danni bleibt!


Fahrraddemo gegen Flächenfraß am 27.09.2020

Wir danken allen die trotz des suboptimalen Wetters an der Demo teilgenommen haben!
Mit etwa 50 Menschen sind wir zu den Orten vergangener und drohender Zerstörung von Naturräumen geradelt.

Redebeitrag auf der Fahrraddemo der Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald am 27.09.2020

Ich möchte an den Anfang eine Frage stellen, die eine Aktivistin aus dem Dannenröder Wald vor zwei Wochen in einem Interview geäußert hat. Der Dannenröder Wald, das ist ein gesunder Buchen- und Eichenmischwald in Hessen, den die dortige schwarz-grüne Landesregierung in Kürze für den Bau einer Autobahn zum großen Teil abholzen will.
Sie hat gesagt: „Wenn wir der Klimakrise wirklich begegnen wollen, dann müssen wir – meiner Meinung nach – alle unsere Lebensbereiche verändern. Der Dannenröder Wald ist so ein Kristallisationspunkt all dieser Fragen, so zum Beispiel: Worauf legen wir Wert – wollen wir eine weitere Autobahn, um uns möglichst schnell von A nach B zu bewegen, meinetwegen zu einem Job, der uns nicht gefällt, oder um Güter zu transportieren, die wir eigentlich gar nicht brauchen, oder wollen wir etwas erhalten, was uns selber am Leben erhält?“
Worauf legen wir also Wert?
Die Hamburger Umweltbehörde legt Wert auf die Behauptung, dass Hamburg „die vielleicht grünste Millionenstadt der nördlichen Hemisphäre“ sei. Das mag stimmen, wenn man damit vor allem Straßenbäume und Parkanlagen meint. Aber gleichzeitig schreitet die Vernichtung und Bebauung von ökologisch viel bedeutenderen Naturflächen auf Hamburger Stadtgebiet unvermindert voran – und das trotz der sich beschleunigenden Klimakrise, trotz des drastischen Verlusts an Biodiversität und trotz der dringenden Notwendigkeit, zum Beispiel die letzten Moore als CO2-Speicher zu erhalten.
Das – muss – aufhören!
Die Bodenversiegelung in Hamburg durch Straßen und Gebäude beträgt mittlerweile etwa 40% der Gesamtfläche. Vor zehn Jahren waren es noch weniger als 30%, das sind zehn Prozentpunkte mehr Beton und Asphalt binnen eines Jahrzehnts. Anfang der Achtzigerjahre waren nur etwas über 20% der Fläche Hamburgs versiegelt. Und man muss dabei berücksichtigen, dass jede Verkehrsinsel, jeder Rasenplatz und jeder Ziergarten als unversiegelt gilt.
Aber was bedeutet eigentlich Versiegelung? Versiegelung bedeutet: Der Boden wird dem Austausch zwischen Erdreich und Atmosphäre entzogen, die natürlichen Funktionen der Böden werden vollständig zerstört. Flächenversiegelung ist nur schwer und unter hohen Kosten wieder rückgängig zu machen. Und der ökologische Schaden lässt sich auch nicht einfach „ausgleichen“: Ein jahrhundertealtes Torfmoor kann man nicht einfach umsiedeln, sondern es geht ersatzlos verloren.
Glauben wir nicht länger an die Ausgleichsarithmetik der Umweltpolitik:
Wir können es uns schlicht nicht mehr leisten, bestehende Ökotope zu zerstören und darauf zu hoffen, dass sie sich vielleicht in Jahren oder Jahrzehnten woanders wieder entwickeln werden!
Die größten noch unversiegelten Flächen finden sich in Hamburg heute südlich und östlich der Elbe – und das weckt Begehrlichkeiten bei Industrie und Bauwirtschaft. Es gibt eine Vielzahl von aktuellen und geplanten Bauvorhaben und Gebietserschließungen, die ich hier gar nicht alle aufzählen kann: von Finkenwerder über Fischbek und Wilhelmsburg bis Oberbillwerder und dem geplanten Mega-Rasthof an der A1. Zwei besonders empörende Bauprojekte werden wir nachher auf unserer Fahrraddemo aufsuchen:


Man kann sich über jedes dieser Bauprojekte im Einzelnen streiten – zusammengenommen bedeuten sie eine scheibchenweise Versiegelung natürlicher Lebensräume im Süderelbegebiet.
Wir fordern daher, dass die Natur im Süderelberaum von der Stadt Hamburg, die sich im Koalitionsvertrag dem Erhalt klimarelevanter Böden verschrieben hat, nicht weiter vor allem als Flächenvorrat für die wachsende Stadt betrachtet wird!
Noch ein Wort zum angeblich klimafreundlichen Bauen: Heutzutage betreibt Hamburg natürlich nicht mehr die Baupropaganda der Siebzigerjahre, als Beton schick und das Klima egal waren: Heute baut man „Klima-Modell-Quartiere“, mit begrünten Dächern und Strom aus Sonnenkollektoren. Das ist ja ganz schön und weist baupolitisch in die richtige Richtung – aber man braucht sich keine Illusionen darüber zu machen, dass das irgendetwas mit Klimaneutralität zu tun hätte.
Auch für „Klima-Modell-Quartiere“ wird vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten der Lebensraum entzogen, werden Moore, die wichtigsten CO2-Speicher, die wir haben, trockengelegt, Tausende Tonnen Sand bewegt, der von sonstwo herangekarrt werden muss, und es wird Beton eingesetzt, dessen Produktion jährlich Milliarden Tonnen CO2 verursacht, mehr als der gesamte weltweite Flugverkehr.
Ein solches, in eine Naturfläche hineingestampftes Neubaugebiet als „Klima-Modell-Quartier“ zu bezeichnen, ist nichts anderes als staatliches Greenwashing!
Lassen wir uns davon nicht in die Irre führen!
Hamburgs globale Verantwortung als Metropole liegt in Zeiten des Klimawandels nicht mehr darin, für Wachstum zu sorgen. Die Wachstumslogik, auch die Logik der wachsenden Stadt, kommt durch die Klimakrise endgültig an ihr Ende.
Denn die globale Klimaerhitzung wird maßgeblich durch Städte und ihren Ressourcenverbrauch verursacht. Bis zu 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen sind städtischen Ballungsräumen und ihren Bevölkerungen zuzurechnen.
Aber auch aus Eigeninteresse muss eine Stadt wie Hamburg alle noch bestehenden unversiegelten Flächen unangetastet lassen, weil sie nämlich für eine lokale Abkühlung, für ein lokales Mikroklima sorgen, ohne das ein Leben in einer Metropole bei steigenden Temperaturen kaum noch auszuhalten sein wird. Schon jetzt beträgt der Temperaturunterschied zwischen Hamburg und dem Umland zwischen Mai und Oktober im Mittel etwa 3 Grad.
Jeder und jede, die etwa im Hochsommer von dieser Straße hier herkommend abends den Vollhöfner Wald betritt, wird das spüren. Und wenn solche Wälder und andere Naturflächen immer weiter verschwinden, wird das Leben in Hamburg in naher Zukunft im Sommer unerträglich werden, trotz Elbe und Alster und ein paar verstreuten Parks.
Was wir brauchen, ist Flächenrecycling, Umbau und Neunutzung von bestehenden Gebäuden, nachwachsende Baumaterialien, weniger Mobilität.
Was wir nicht brauchen, ist weiterer Flächenfraß!

Und wir müssen uns fragen, wie die eingangs zitierte Aktivistin aus dem Dannenröder Wald:
Worauf legen wir Wert, für heute und für die Zukunft?


Die Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald ruft am 27.09.2020 zu einer Fahrraddemo gegen Flächenfraß auf

Trotz der sich beschleunigenden Klimakrise, trotz des drastischen Verlusts an Biodiversität und trotz der dringenden Notwendigkeit, die letzten Moore als CO2-Speicher zu erhalten, werden auch in Hamburg weiter Naturflächen in großem Umfang bebaut und versiegelt.

Die Bodenversiegelung in Hamburg durch Straßen und Gebäude beträgt mittlerweile 39% der Gesamtfläche, und sie hält unvermindert an. Vor zehn Jahren lag der Anteil noch bei unter 30%, Anfang der Achzigerjahre bei etwas über 20%. Versiegelung bedeutet: Der Boden wird dem Austausch zwischen Erdreich und Atmosphäre entzogen, die natürlichen Funktionen der Böden werden vollständig zerstört. Das hat nicht nur Auswirkungen auf den Wasserhaushalt, sondern auch aufs Ökosystem bis hin zum Stadtklima. Flächenversiegelung ist obendrein nur schwer und unter hohen Kosten rückgängig zu machen, geschweige denn „auszugleichen“: Ein jahrhundertealtes Torfmoor lässt sich nicht umsiedeln, sondern geht ersatzlos verloren.

Die größten unversiegelten Flächen finden sich heute in Hamburg noch südlich und östlich der Elbe – und das weckt Begehrlichkeiten bei Industrie und Bauwirtschaft. Denn es erscheint allemal einfacher, eine weitere Naturfläche plattzumachen, als sich mit aufwändigem Flächenrecycling zu beschäftigen – auch wenn dies nicht nur in ökologischer Hinsicht der bessere Weg wäre.


Wir wollen zwei besonders drastische Beispiele für Flächenfraß im Süderelberaum aufsuchen und rufen zur Fahrraddemo auf:

Wir treffen uns am Vollhöfner Wald, der weiterhin Eigentum der HPA und leider noch kein Naturschutzgebiet ist.

Auf dem Weg nach Neuland halten wir am Bostelbeker Moor und protestieren gegen die nicht mehr zeitgemäße Trockenlegung und Bebauung der Moores durch Daimler.

Am Ort der Abschlusskundgebung in Neuland finden wir eine von der Stadt Hamburg „entwickelte“ Industriefläche vor.


1. Bostelbeker Moor

Nahe dem Daimler-Werk an der A7 liegt ein 20 ha großes und zwei Meter mächtiges Niedermoor, das zahlreichen streng geschützten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum gibt und eigentlich einen besonders hohen Schutzstatus genießt. Die Bezirksversammlung Harburg hat dennoch mit rot-grüner Mehrheit der Vernichtung des Moores für ein Daimler-Logistikzentrum zugestimmt.

Um nach dieser Entscheidung noch in den Spiegel schauen zu können, betreibt man ein wenig Greenwashing: Das Werk soll „klimaneutral“ erweitert werden und bekommt eine Photovoltaikanlage sowie ein grünes Dach. Ob darauf die vertriebenen Pflanzen und Tiere angesiedelt werden sollen, ist nicht bekannt …

Zeigen wir vor Ort lautstark, was wir von diesen Plänen halten!


2. Neuland 23

Auch in Neuland gab es bis vor Kurzem noch ein unberührtes Moorgebiet, heute liegt dort eine riesige Sandwüste, auf der sich seit Längerem nichts mehr bewegt hat. Nachdem die Stadt eine acht Meter mächtige Torfschicht abgetragen und zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten für einen Gewerbe„park“ vernichtet hat, ist leider der Investor abgesprungen – ohne dass irgendwer dafür zur Verantwortung gezogen werden kann.


Neuland 23 soll eines von 19 „Klima-Modell-Quartieren“ werden – so werden neuerdings geplante Flächenfraß-Projekte genannt, die ein wenig grün aufgehübscht sind. Angesichts der enormen Bedeutung gerade von Mooren als Kohlenstoffsenken, aber auch als vielfältigen Lebensräumen, ist das zynisch und empörend.


Schluss mit dem Flächenfraß in Hamburg und anderswo!

Für den unbedingten Erhalt noch bestehender Naturflächen!



Unser Zeitplan ist:
12:00Uhr Auftaktkundgebung am Völli
12:30Uhr Abfahrt zum Borstelbeker Moor
13:15Uhr Zwischenkundgebung am Fürstenmoordamm, Höhe Eisenbahnbrücke
15.15Uhr Abschlusskundgebung am Neuländer Weg

Unsere Route verläuft:
Vollhöfner Weiden - Waltershofer Straße - Georg-Heynken-Straße
- Fürstenmoordamm - Moorburger Bogen - Moorburger Straße
- Seehafenstraße - Seehafenbrücke - Buxtehuder Straße
- Buxtehuder Brücke - Walter-Dudek-Brücke - Großmoordamm
– Großmoorbogen - Neuländer Straße - Neuländer Weg

Links zu Videos auf YouTube:

Beitrag aus dem Hamburg Journal

Redebeiträge vom Marcel und Gudrun vor dem Vollhöfner Wald Redebeitrag von Frederik vor dem Fürstenmoor

Redebeitrag vom Jan zu Oberbillwerder vor Neuland 23
Weitere Infos zu Oberbillwerder



Für den Erhalt der Altenwerder Wildnis!


Redebeitrag auf der Kundgebung der Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald vor der Altenwerder Kirche am 13.09.2020


Wir, die Klimaschutzinitiative Vollhöfner Wald, setzen uns seit mehr als einem Jahr (und teilweise auch schon viel länger) für den Erhalt dieses vergessenen Waldes ganz im Westen von Altenwerder ein: an der Straße Vollhöfner Weiden, am heutigen Ende der Alten Süderelbe, wo seit langem ein neues Gewerbegebiet ausgewiesen ist und Hallen für die Hafenlogistik entstehen sollen. Nachdem wir jede Woche demonstriert haben, nach viel Öffentlichkeitsarbeit, nach zahlreichen Waldspaziergängen, Fernsehberichten, sogar einer Baumbesetzung haben wir einen wichtigen Etappensieg erreicht: Die neue Regierungskoalition hat in ihren Koalitionsvertrag hineingeschrieben:


Die Koalitionspartner vereinbaren, dass die Flächen der Vollhöfner Weiden in Altenwerder-West nicht für eine Hafennutzung in Anspruch genommen werden.“


Das ist ein schöner Erfolg und hat bisher verhindert, dass die einmalige Wildnis im Vollhöfner Wald der Abholzung zum Opfer fällt. Aber der Haken an der Sache folgt sogleich (ich zitiere wieder aus dem Koalitionsvertrag):


Stattdessen sollen andere Flächen in entsprechender Größe für die Hafennutzung aktiviert werden, zum Beispiel die bislang hafenwirtschaftlich nicht genutzten Flächen nördlich und westlich des Containerterminals Altenwerder (…) Sobald Flächen in entsprechender Größe im Bereich des Containerterminals Altenwerder oder an anderer Stelle für eine hafenwirtschaftliche Nutzung aktiviert wurden, werden die Flächen der Vollhöfner Weiden aus dem Hafengebiet herausgenommen und unter Naturschutz gestellt.“


Also: Erst wenn woanders Flächen, die bisher noch keine gewerblich genutzten Flächen waren, das heißt Naturflächen, für die Hafennutzung bebaut und versiegelt worden sind, erst dann kann man wirklich sagen: Der Völli ist gerettet.


Das bedeutet letztlich: Hier sollen Naturschutzinteressen an einer Stelle gegen solche an einer anderen Stelle ausgespielt werden! Nicht nur im Vollhöfner Wald, wo sich seit den Sechzigerjahren eine unberührte Wildnis entwickeln konnte, auch hier, nördlich und südlich der Kirche und entlang der Bullerrinne im Norden, hat sich die Natur seit der Entvölkerung Altenwerders vor vierzig Jahren nach und nach ein Gebiet zurückerobert, in dem zahlreiche Vögel, Amphibien und andere Tiere leben und das von vielen Menschen als Naherholungsgebiet genutzt wird.


Bitte schaut euch mal um: Wenn hier bis auf Kirche und Friedhof alles unter meterhohem Sand verschwindet, so wie vor zwanzig Jahren der größte Teil Altenwerders, ist nicht nur eine weitere Naturfläche unwiederbringlich verloren, sondern auch fast der letzte Rest sichtbarer Erinnerung an ein achthundertjähriges Dorf.

Das wirklich Absurde daran ist: Diese Flächen werden überhaupt nicht benötigt. Der Hafen hat ganz andere Probleme als zu wenig Platz. Die jahrzehntelange Ausdehnung des Hamburger Hafens nach Süden, die der Logik des stetigen Wachstums folgte, ist am Ende. Seit 2007, seit der Finanzkrise, ist der Containerumschlag nicht mehr weiter gewachsen, und es besteht Grund zu der Annahme, dass er eher zurückgehen wird.


Wenn man sich die Studie über Die Zukunft des Hamburger Hafens anschaut, die der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Prof. Dr. Henning Vöpel, im April 2020 erstellt hat, dann muss man ganz klar sagen: Weitere Wachstumserwartungen sind heute völlig unrealistisch.


Dafür benennt Prof. Vöpel verschiedene Gründe:
- Der Welthandel schwächt sich allgemein ab, die Hochphase der Globalisierung ist vorüber.
- Das weltwirtschaftliche Wachstum wird sich verringern, nicht nur aufgrund der Corona-Krise.
- Die globalen Handelsströme laufen zum Teil anders und an Hamburg vorbei.
- Der Hafenwettbewerb hat sich verschärft und der Hamburger Hafen hat gravierende Wettbewerbsnachteile, zum Beispiel die Lage im Binnenland. Nicht umsonst hat der Wirtschaftssenator kürzlich den Gedanken einer norddeutschen Hafenkooperation ins Spiel gebracht, der sich Hamburg jahrzehntelang verweigert hat.


Hinzukommt: Wenn Hamburg es mit seiner Klimapolitik wirklich ernst meint, wenn also der Hamburger Klimaplan bis 2050 eingehalten werden soll, dann darf der Hafen gar nicht mehr weiter wachsen. Denn dann müsste dieses Wachstum, dann müsste die Vernichtung weiterer Naturflächen, dann müsste das Verfehlen der CO2-Reduktionsziele im Hafen woanders in der Stadt kompensiert werden – und dafür fehlt der Politik bis heute jeglicher Ansatz. Das lässt sich nämlich mit ein paar neuen Radwegen und Windrädern allenfalls symbolisch ausgleichen.


Warum lässt man die Suche nach neuen Hafenflächen dann nicht einfach bleiben, erhält die Altenwerder Wildnis, die wir hier sehen, und stellt den Völli endlich unter Naturschutz?


Das hat einerseits sicherlich mit den Kräfteverhältnissen in der Hamburger Politik zu tun: Die Beharrungskräfte derjenigen, die am liebsten das bisherige Wirtschafts- und Profitmodell noch eine Weile so weiter betreiben würden, auch wenn aus wirtschaftlichen und aus Klimaschutzgründen alles dagegen spricht, sind enorm.


Es hat aber auch mit einer Naturauffassung zu tun, die der Natur immer nur zwei Zwecke zuweist: bestenfalls den der Erholung für den Menschen, meistens aber den, Materiallieferant oder kostenloser Ausdehnungsraum für neue Bauprojekte zu sein.


Maja Göpel hat diese Auffassung sehr schön in die Frage gefasst, die der natürlichen Umgebung normalerweise entgegengebracht wird: „Lässt es sich wertbringend nutzen? Oder kann es weg?“


Diese Auffassung hat meines Erachtens keine Zukunft. Wir müssen zum Schutz des Klimas, zum Erhalt der Biodiversität, letzten Endes auch für den Erhalt guter Lebensbedingungen für alle die verbleibenden Reste nicht versiegelter Natur unbedingt schützen und bewahren, auch in der Stadt. Wir können es uns nicht mehr leisten, weiterhin Wohlstand vor allem durch Wachstum zu erreichen, das heißt: durch Naturzerstörung. Das Konzept Wachsende Stadt gerät auch hier an seine Grenze.


Die Regierungsparteien im Hamburger Senat haben in ihrem Koalitionsvertrag auch vereinbart, in Zukunft nicht mehr so verschwenderisch mit Flächen umzugehen wie bisher. Zitat: „Die Koalitionspartner setzen auf den Erhalt unversiegelter Flächen und naturnaher sowie klimarelevanter Böden. (…) Die Koalitionspartner setzen sich für den vorsorgenden Schutz der Böden als natürliche Ressource ein.“


Nehmen wir sie also beim Wort: Hier im Altenwerder Kirchtal, im Vollhöfner Wald, im Bostelbeker Moor, wo Daimler ein ganzes Moor trockenlegen will, am Wilden Wald in Wilhelmsburg, in Billwerder und auch anderswo in Hamburg bietet sich die Gelegenheit, unversiegelte Naturflächen zu erhalten und unter Beweis zu stellen, dass der Koalitionsvertrag mehr ist als heiße Luft!


Vielen Dank!